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Joe ist gerade nicht da

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    Joe ist gerade nicht da

    von Devils little sister

    Joe Hahn schloss die T?r seines Hotelzimmers hinter sich. Er hatte sich bewusst daf?r entschieden, ein Zimmer f?r sich allein zu buchen. Er hatte die st?ndige Gesellschaft der Anderen satt, war es ?berdr?ssig stets der gut gelaunte junge Mann zu sein, f?r den sie ihn hielten. Selbst wusste er nicht, wie er in dieses Klischee hineingerutscht war. Niemals hatte er seinen Bandkollegen einen Anlass gegeben, zu glauben er h?tte Lust f?r sein restliches Leben als derjenige gebranntmarkt zu sein, der es immer vermochte, spontan einen Witz zu rei?en und damit die Stimmung zu heben. Zeitweise mochte er diese Rolle. Er nannte es selbst den Klassen-Clown-Effekt. Schlie?lich musste es jemanden geben, der daf?r sorgte, dass er und seine Freunde, nach einer Nacht auf Tour, in der sie kaum drei Stunden schlaf bekommen hatten, etwas zu lachen hatten.
    Joe wusste nicht, warum er gerade in diesem Moment das Bed?rfnis versp?rte, sich zur?ckzuziehen, durchzuatmen und einfach einmal alleine zu sein. Normalerweise war er eher der gesellige Typ. Er mochte das angenehme Gef?hl, das in ihm aufkam, wenn ?ber einen seiner Witze gelacht wurde und f?r gew?hnlich liebte er es auch, sich mit seinen f?nf besten Freunden zu umgeben. Und obwohl er schon immer anders gewesen war, als sie, war die Zeit, die er mit ihnen verbrachte die sch?nste. Er genoss es etwas mit ihnen zu teilen, was sie verband und sie zugleich aneinander wachsen lie?. Ihre Liebe zur Musik war das Band, das sie umschloss. Keiner vermochte es, ihnen das zu nehmen. Niemand war im Stande einen Keil zwischen sie zu treiben. Und das lag auch daran, dass sie sich so unglaublich gut erg?nzten. W?hrend Mike beispielsweise eher der Typ war, der immer ganz automatisch den ?berblick ?ber Alles hatte, war Brad derjenige, der akribisch versuchte alles zu organisieren und durchzuplanen. Die beiden kannten sich schon seit der High School und verhielten sich manchmal wie ein altes Ehepaar, was Joe immer neuen Stoff f?r seine Witze und lieb gemeinte Sticheleien gab. Phoenix war der Bodenst?ndigste von allen, er konnte hemmungslos lachen, aber war dennoch auch sofort wieder Ernst, wenn es darauf ankam. Trotzdem geschah es so gut wir nie, dass man ihn schlecht gelaunt sah und Joe war sich sicher, dass auch ihre Fans ein ?hnliches Bild von ihm haben mussten. Oftmals wirkte er, als s?he er alles mit einer unglaublichen Leichtigkeit. Rob war sehr ruhig und sogar ziemlich sch?chtern, doch wenn man es schaffte, ihn in eine Unterhaltung zu verwickeln, konnte man richtig tiefsinnige Gespr?che mit ihm f?hren. Leider traute er sich zu selten aus sich heraus zu gehen und richtig laut wurde er, wenn ?berhaupt, nur dann, wenn es darum ging einen Streit zu schlichten. Das war seine Aufgabe. Er war der gro?e Schlichter. Und mit seiner ruhigen und vern?nftigen Art schaffte er es sogar die Wogen zwischen Mike und Chester zu gl?tten. Ein Streit zwischen diesen Beiden Dickk?pfen bedeutete f?r gew?hnlich lautes Geschrei, knallende T?ren und auf Chesters Seite sogar manchmal einige Tr?nen. Er war eine sehr eigenwillige Person. Joe mochte ihn nicht besonders, was nicht hie?, dass er nicht mit ihm auskam aber er hatte einfach keinen besonders guten Draht zu ihm. Es mangelte ihnen schlichtweg an Gemeinsamkeiten. In der Band nahm Chester die Rolle der Diva ein. Er provozierte gerne. Joe vermutete, dass das bei ihm als eine Art Freundschaftsbeweis zu werten war. Es verging kein Tag an dem er nicht, wenn auch nur leicht, mit Mike aneinander geriet. Das brachte h?ufig Spannungen mit sich, die die gesamte Band belasteten.
    Joe selbst war derjenige, der die Stimmung auflockerte, der daf?r sorgte, das jedermann etwas zu lachen hatte und dem man niemals ansah, wenn es ihm schlecht ging. So war Joe. Das hatten seine Freunde aus ihm gemacht und er vermochte es weder sich daran zu erinnern, was vorher gewesen war, noch unzufrieden mit dieser Rolle zu sein.
    Beinahe ohne es zu merken hatte er an dem kleinen Schreibtisch Platz genommen, der unter dem Fenster stand. Darauf lagen einige Blatt Papier, unz?hlige Bleistifte und sogar ein paar winzige Stummel Zeichenkohle.
    Joe nahm einen der Bleistifte in die Hand. Er betrachtete ihn, bevor er seinen Blick auf ein wei?es Blatt vor sich legte. Er wollte etwas zeichnen, stellte sich auf dem unber?hrten Papier die genauen Formen dessen vor, was er zuvor in seinem Kopf gesehen hatte. Dann setzte er den Bleistift an, sp?rte die Reibung, die dieser auf der makellosen Oberfl?che des Blattes verursachte, merkte, wie sie, wie ein Kribbeln auf seiner Haut zu vernehmen war.
    Zeichnen war eine der wenigen T?tigkeiten, bei der er sich voll und ganz entspannen konnte, wenn er es zulie?. Im Moment suchte er die Entspannung, da eine seltsame inner Unruhe Besitz von ihm ergriffen hatte. Woher diese r?hrte konnte er sich beim besten Willen nicht erkl?ren. Er wusste lediglich, dass wohl sie der Grund daf?r war, dass er alleine sein wollte, dass alles in ihm danach lechzte zu entspannen. Wie in Trance skizzierte er mit unglaublicher Geschwindigkeit, die Konturen dessen, was das Resultat seiner Bem?hungen sein sollte. Als er aus dieser Trance erwachte, erkannte er auf seinem Blatt deutlich einen Mann ohne Gesicht. Wenn Joe keine Portraits malte, gab er den Personen seiner Gem?lde niemals Gesichter. Seiner Meinung nach sollten es nicht die Menschen sein, die er darstellen wollte, sondern die Situation in denen sie sich befanden. Der Mensch sollte als konkretes Objekt die Aussage eines seiner Bilder nicht verf?lschen, oder sie gar ?berschatten. In seinen H?nden hielt der Gesichtlose eine Kettens?ge und war in Begriff damit einen Holzklotz in zwei zu schlagen. Joe wunderte sich ?ber diesen Gedankengang, den er allerdings unbedingt vollst?ndig zu Papier bringen wollte und so begann er mit den Feinheiten. Er zeichnete Konturen, begann zu schattieren, um so seiner Zeichnung mehr Ausdrucksst?rke zu verleihen.
    Pl?tzlich versp?rte er einen seltsamen, stechenden Schmerz in seinem Kopf. Zuerst versuchte er es zu ignorieren, doch irgendwann verkrampfte sich sein ganzer K?rper und der Schmerz durchfuhr ihn wie ein qu?lender Stromschlag. Er lie? seinen Bleistift fallen und ein kaum h?rbares Klacken versicherte ihm, dass er zu Boden gefallen sein musste. Joe besah sich seine H?nde. Sie zitterten und er legte sie flach auf den Tisch, um dieses be?ngstigende Zittern zu ?berlisten. Joe kannte solche Anf?lle, er hatte sie h?ufig. Sie kamen pl?tzlich und verschwanden genauso pl?tzlich auch wieder. Er hatte sich niemals darum geschert, geschweige denn mit irgendjemandem dar?ber gesprochen.
    Seine Atmung war schneller geworden. Um sie wieder einigerma?en zu verlangsamen, legte er seinen Kopf in den Nacken und versuchte sich zu entspannen. Es war wohl der Tourstress der ihm zu schaffen machte, die vielen schlaflosen N?chte, die auslaugenden Konzerte und die psychische Belastung. Eine angenehme Leichtigkeit breitete sich in ihm aus und der Schmerz war von einer zur anderen Sekunde verschwunden. Er senkte den Kopf wieder und ?ffnete seine Augen. Nicht einmal ein Anflug dessen, was er gerade gesp?rt hatte war noch zu vernehmen. Er beugte sich vorne ?ber um seinen Bleistift aufzuheben. Anschlie?end setzte er an weiter zu malen, doch mit einen mal wurde ihm Schwarz vor Augen, und das, obwohl er sich in Sicherheit gewiegt hatte.


    Joe ist gerade nicht da. Aber er wird wieder kommen. Ich wei? das.
    Ich bin Remy, der ungeliebte Gast, der ?bersehene Bruder, das gehasste zweite Ich. Ich habe lange auf eine Gelegenheit gewartet mich auszudr?cken. Habe ausgeharrt, nur um die Chance zu bekommen mich einmal der Au?enwelt mitzuteilen, ohne verspottet und ignoriert zu werden. Das geschieht zu oft und ich bin dessen ?berdr?ssig und hasse es, nie beachtet zu werden. Es ist nicht fair, wenn sie mich auslachen, es ist nicht fair, dass ich mich versteckt halten muss, nur um ihren Beleidigungen zu entgehen. Wie oft habe ich geh?rt, ich sei ein schlechter Scherz, ein Hirngespinst? Vor allem von diesem Mike.
    ?Mit so was macht man keine Witze! Schlie?lich gibt es Leute, die wirklich eine gespaltene Pers?nlichkeit haben.? Dieser Narr! Wenn er w?sste wie nahe er einem solchen Menschen in Wirklichkeit steht. Es ist kein gutes Gef?hl, als abgespaltene Pers?nlichkeit bezeichnet zu werden. Aber das Gef?hl, nicht einmal als solche anerkannt zu sein, ist unertr?glich. Als Gefangener bin ich gezwungen, mich zu verstecken. Ist das Gerechtigkeit?
    Rache ist die geringste Form von Gerechtigkeit, doch noch nicht einmal die M?glichkeit Rache zu ?ben ist mir verg?nnt. Ich hasse diesen K?rper, in dem ich gefangen bin und der nicht mein eigener ist. Doch in dem Moment, in dem ich das Messer an seine widerlich pochende Schlagader angesetzt habe, ist Joe zur?ckgekommen. Er hat mich gest?rt. Hat mir sogar die M?glichkeit zu fliehen verw?hrt. Ich hasse ihn daf?r. Ich hasse ihn.
    Woher ich komme wei? ich nicht. Ich war pl?tzlich einfach da. Ich habe weder Mutter noch Vater. Anders als Joe. Ich habe seine Eltern einmal durch seine Augen gesehen und mir in diesem Moment nichts sehnlicher gew?nscht, als auch einen Menschen Mutter nennen zu k?nnen. Warum? Wen sollte ich fragen, was ich bin? Joes Freunde vielleicht. Diese f?nf jungen M?nner die Witze auf meine Kosten rei?en, wobei ich mich noch nicht einmal wehren kann. H?tten sie noch Spa? daran, ihre Scherze mit mir zu treiben, wenn sie w?ssten wie verdammt schwach ich bin? H?tten sie Angst vor mir, wenn sie w?ssten, zu was ich f?hig w?re, wenn Joe nicht immer wieder zur?ck k?me um mich zu unterbrechen? W?rde Mike sein d?mliches Lachen vergehen, w?rde Brad endlich aufh?ren ein Schatten dieses Ignoranten zu sein? W?rde Rob endlich einmal den Mund aufbekommen und aufh?ren mich mit seinem abwertenden Schweigen zu beleidigen? W?re Phoenix f?hig eine negative Emotion zu zeigen? W?rde Chester mich vielleicht endlich sehen?
    Ich mag ihn. Er ist sehr nett und dazu noch unglaublich h?bsch. Manchmal schaue ich ihn durch Joes Augen einfach an. Die Z?ge seines Gesichts sind unglaublich einpr?gsam. Ich k?nnte ihn hier auf dieses Blatt zeichnen und m?sste nicht einmal nachdenken, wie er aussieht. Wie oft bin ich vor ihm gestanden, wenn Joe gerade nicht da war, und habe ihn mir angesehen und mir nichts sehns?chtiger gew?nscht, als ihn zu umarmen, ihn zu k?ssen, ihn zu lieben? Aber wohl auch das wird mir auf ewig verw?hrt bleiben. Was ist mit der Gerechtigkeit, ?ber die Joe Tag f?r Tag nachdenkt? Ich kenne seine Gedanken. Ich wei?, dass er zu allen Menschen gerecht sein m?chte. Zu allen nur zu mir nicht. Dieser Heuchler! Ich habe schon so oft versucht ihm Schmerzen zuzuf?gen. Ich wollte ihm dabei helfen gerecht zu sein. Er hat mich niemals so weit kommen lassen. Seinen Freunden w?rde ich allerdings niemals etwas antun. Mike, Brad, Phoenix und Rob nicht, weil sie zu einf?ltig sind, zu dumm. Und Chester k?nnte ich nicht wehtun, weil ich ihn liebe. Ja, ich liebe ihn und dieser Gedanke ist der einzige, der es vermag mich f?r eine ganz kurze Zeit, f?r den Bruchteil einer Sekunde gl?cklich zu machen. Doch er wird niemals erfahren wie sehr ich ihn liebe. Niemand wird das jemals. Niemand wird jemals erfahren wie ich mich f?hle. Ist das fair?
    Ich hasse Joe! Er sagt den Menschen in seiner Umgebung nie wie er sich f?hlt. Er ?berspielt das was er denkt damit, dass er d?mliche Witze rei?t. Er will es niemanden mitteilen und f?r mich w?re es das gr??te Geschenk, wenn ich es k?nnte. Wenn seine Freunde doch nur w?ssten, wie sehr er oftmals von ihnen genervt ist. Wie sehr er sich manchmal w?nscht alles hinzuschmei?en. Ich bin der einzige, der das wei?, der einzige der ihn versteht und der immer bei ihm bleibt, bis er dem ganzen selbst ein Ende setzt. Doch all das wei? er nicht zu w?rdigen. Wo ist seine verfluchte Gerechtigkeit, wenn es um mich geht? Aber nein, er gestattet mir es ja noch nicht einmal durch seine Augen zu weinen oder aus seinem Mund vor Wut zu schreien. In solchen Momenten kommt er immer wieder zur?ck. Auch jetzt merke ich wieder dass seine Augen feucht werden und meine Kraft schwindet, weil ich das Bed?rfnis habe zu weinen. Das ist aber nicht das schlimmste. Einmal hat er mir etwas angetan, das ich ihm niemals verzeihen werde.
    Es war schon sp?t abends und Joe war gerade nicht da. Er hatte mir seinen K?rper ?berlassen und ich fand mich auf einer Couch sitzend. Neben Chester. Dieser verstr?mte einen eigenartigen Geruch, den ich durch Joes Nase aufnehmen konnte. Er war ein wenig betrunken. Auch Joe schien getrunken zu haben, denn ich schmeckte den bitteren Geschmack von Alkohol auf seiner Zunge. Pl?tzlich sah mich Chester mit glasigen Augen an. Sein Blick wanderte ?ber Joes K?rper. Ich rutschte n?her an ihn und sah ihm, wie schon so oft zuvor direkt in seine wundersch?nen braunen Augen. Pl?tzlich packte er mich am Kragen und zog mich zu sich. Ich sp?rte seine W?rme, die wohl sowohl vom Alkohol als auch von der Leidenschaft in seinem Blut kam. Kurz bevor sich unsere Lippen ber?hrten kam Joe zur?ck. Ich hasse ihn daf?r.
    Seine Augen werden feucht. Ich beginne zu weinen. Er kommt zur?ck.
    K?nnte ich mit ihm sprechen w?rde ich ihn bitten dem allen ein Ende zu setzten und mich endlich freizulassen.
    Joe ist gerade nicht da. Aber er kommt zur?ck. Schon bald.
    Ich bin Remy, der ungeliebte Gast, der ?bersehene Bruder, das gehasste zweite Ich.

    ~Remy~


    Als Joe erwachte war es bereits d?mmrig. Die Sonne war schon seit L?ngerem hinter einem H?gel vor dem Fenster versunken und nur ein roter Schimmer verriet, dass sie noch vor wenigen Stunden stolz und hell am Himmel gestanden hatte.
    Joes Kopf dr?hnte und er konnte sich nicht erinnern, wie er hier her gekommen war. Zu mindest anfangs nicht. Doch dann hob er langsam seinen Blick und sah sich das Blatt an, das vor ihm auf dem Tisch lag. Seine Erinnerung kam zur?ck. Er wusste wieder von dem Gef?hl allein sein zu wollen, konnte sich genau daran erinnern, wie er in sein Hotelzimmer gekommen war, wie er begonnen hatte zu zeichnen. Neben dem gesichtlosen Mann mit Kettens?ge und dem Holzklotz war auf dem Papier ein Text in gleichm??iger, steiler Schrift verfasst worden.
    ?Remy?, fl?sterte Joe und strich mit den Fingern seiner rechten Hand ?ber die Zeilen.
    Er las sich den Text durch; nahm jedes Wort in sich auf. Nachdem er fertig war, schloss er die Augen und atmete tief durch. Fast automatisch griff seine Hand nach dem Bleistift und er f?gte einen Satz an:


    Und mir bleibt die Narrenkappe.

    ~Joe~


    Joe seufzte tief als er das Blatt in seine H?nde nahm und es zerriss. Die entstandenen Schnipsel zerkn?llte er um sie in den Papierkorb zu werfen. Anschlie?end erhob er sich und ging zur T?r des Hotelzimmers. Er wollte zu den anderen gehen und ihnen ein bisschen Gesellschaft leisten.


    ~Ende~
    ~Ein Freund ist ein Mensch, der dein l?cheln sieht...
    ...und trotzdem sp?rt, dass deine Seele weint.~


    Fedi-Closi_LPDE (an Schaaf): Keine Fear kleine sheep, meine brother keepen dich schon in safety

    Sind Sch?fchens Locken schwarz und braun l?d es am Elektrozaun
    wenn es dann die Augen rollt will es sagen: "Zu viel
    Volt "
Working...
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